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„Gewalt kommt nicht aus heiterem Himmel“ – Gerhard Amendt über ein neues Miteinander zwischen Männern und Frauen Drucken E-Mail
Freitag, den 07. November 2014 um 10:18 Uhr

Hat die Frauenbewegung der vergangenen Jahrzehnte zu einem friedlicheren Verhältnis zwischen Männern und Frauen geführt? Im vollbesetzten Vortragsraum des Bremer Hauses der Wissenschaft sprach Prof. Gerhard Amendt am 20.10.2014 auf Einladung des Humanistischen Verbands Bremen über sein neues Buch "Von Höllenhunden und Himmelswesen".

Anhand von literarischen Beispielen und wissenschaftlichen Untersuchungen gelangte Prof. Amendt zu einem deprimierenden Ergebnis. Der Wunsch, die unbestreitbare Benachteiligung von Mädchen und Frauen aufzuheben, habe zu einer neuen "Vorwurfskultur" geführt, die Männer unhinterfragt ins Unrecht setzt. Alte Mythen, die Mütter als "Heilige" idealisieren und Männer als von Natur aus gewalttätig darstellen, seien inzwischen fester Bestandteil der Gefühlsperspektive junger Frauen. Ihr neues Freiheitsbewusstsein lasse sie gleichgültig werden gegenüber den Bedürfnissen der Männer, die mit Sprachlosigkeit und Schweigen auf die Kränkung ihrer Selbstachtung reagieren. Aggressivität sei aber oft genug der Versuch, Gewalt, die man gegen sich selber richtet, nach außen abzuleiten: "Aus heiterem Himmel kommt Gewalt nicht." Statt Unrecht aufzuheben, hätte die Emanzipation der Frau eine neue Ungleichbehandlung der Geschlechter in Gesetzen, auf dem Arbeitsmarkt und bei Forschungsanträgen festgeschrieben.

Was muss geschehen, um die latente und offene Gewalt zwischen den Geschlechtern zu beenden? Prof. Amendt plädierte für eine neue Geschlechterdebatte mit Offenheit für das, was Männer kränkt. Die Politik dürfe nicht Schuld und Unschuld neu verteilen, sondern müsse einen geschlechtsneutralen Handlungsraum garantieren. Familiäre Konflikte dürften nicht einseitig den Männern angelastet, sondern müssten systemisch gesehen werden. Für gewalttätige Frauen müssten Beratungsangebote geschaffen werden. In der Wissenschaft dürfe die Gender-Perspektive nicht dazu führen, dass andere Einflussgrößen wie Beschäftigung, Bildungsgrad, Sozialmilieu usw. außer Betracht bleiben.

Die ausführliche Diskussion, die sich dem Vortrag anschloss, erbrachte weitere Beispiele für die offene Diskriminierung, die latente Geringschätzung und die einseitige Fixierung eines unnatürlichen Männerbilds in unserer Gesellschaft. Zugleich wurde deutlich, dass ein neuer Antifeminismus oder Maskulinismus keine hinreichende Antwort sein kann. Die Befreiung der Frauen kann nur gemeinsam mit den Männern geschehen -- und umgekehrt. Mit einem Wort: Es geht um die Verwirklichung des humanistischen Prinzips, das Gespräch an die Stelle von Gewalt zu setzen. Der Vortrag auf Einladung des HVD Bremen hat die Ziele der Humanisten vielen neuen Interessenten bekannt gemacht. (hk)

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 07. November 2014 um 12:15 Uhr