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Ist der Humanismus eine Konfession? Diskussion mit Prof. Horst Groschopp Drucken E-Mail

Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) überarbeitete 2010 sein Grundsatzprogramm, das Humanistische Selbstverständnis. Dabei stand auch die Frage im Raum, inwiefern der Humanismus eine Weltanschauungsgemeinschaft mit einem "Bekenntnis" darstellt. Mitglieder des HVD Bremen, Delegierte des HVD Weser-Ems und zahlreiche Gäste hörten dazu am 25.9.2010 in Bremen einen Vortrag von Prof. Horst Groschopp zum Thema „Humanismus – eine (gottlose) Konfession? Die Weltanschauung hinter der Humanistischen Schule".

Zuvor gab der Referent ein Interview:

Die anschließende rege Debatte traf genau die Streitfragen des Vortrages. Einige Themen, die dabei angeschnitten wurden: Humanismus als Kulturbewegung und Weltanschauung (allgemeiner und „HVD-Humanismus“; reale juristische Lage und Ernsthaftigkeit des Bekenntnisses), Wissenschaftlichkeit und Humanismus, Konfession und Gottlosigkeit (nicht identisch mit Religionslosigkeit), „Spiritualität“ und „Seelsorge“, HVD und Kirchenpolitik, „weltliche Schulen“ und humanistische Privatschulen, Humanistische Lebenskunde und Ethikunterricht.

Die Veranstalter wollten und bekamen eine Art Grundsatzerläuterung, zumal in der „säkularen Szene“ das Gerücht die Runde macht, der HVD wolle eine Art „Humanistische Kirche“ errichten. Klar sei, so der Redner, dass es bei Konfessionen gar nicht darum gehen müsse, dass sich deren Angehörige zu einer weitgehend geschlossenen Weltanschauung bekennen. Aber es sollte schon klar werden, was der Kernbestand der humanistischen Weltanschauung ist und wie sie „gepflegt“ werde nach Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 7 WRV.

Die im gesellschaftlichen Leben allerorts anzutreffende, bekennend religiös begründete Wahrheit müsse der organisierte Humanismus, wenn er sich behaupten wolle, mit seinen eigenen Wahrheiten kontrastieren. Schließlich gäbe es einen Streit um Wahrheit. Doch welche Position sei „wahr“, die humanistische oder die christliche oder die muslimische – oder gar keine?

Am Ende des Vortrages stellte der Referent fest, dass es für die Politik des HVD generell unerheblich sei, ob er sich selbst als „konfessionell“ bezeichne oder diesen Begriff ablehne. Faktisch trete er „konfessionell“ auf und würde so behandelt. Das Bremer Urteil zur Gründung einer Humanistischen Schule verdeutliche, dass der HVD nicht großen Eifer darauf verwenden sollte, diese „konfessionelle“ Zuordnung zu widerlegen.

Quelle: http://humanistische-akademie-deutschland.de/humanistische-konfession

Der Vortrag findet sich als Text 8 bei „humanismus aktuell online“.