RSS
Sonntag, den 04. September 2011 um 17:07 Uhr

Der Philosoph Joachim Kahl über Grenzen der Toleranz

Im September 2011 hielt der Philosoph und Historiker Joachim Kahl auf Einladung des HVD Bremen einen Vortrag anlässlich des Papstbesuchs im Haus der Wissenschaft Bremen einen Vortrag zum Thema „Grenzen der Toleranz“. Kahls einflussreichstes Werk ist 1968 im Rowohlt-Verlag erschienen: "Das Elend des Christentums oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott".

Über Joachim Kahl schreibt die Wikipedia:

"Joachim Kahl (* 12. Mai 1941 in Köln) ist ein deutscher Philosoph und Humanist mit den Arbeitsschwerpunkten Religionskritik, Ethik und Ästhetik, die er im Konzept des weltlichen Humanismus zu verbinden sucht.  [...] Als Vertreter eines klassischen Atheismus, der tief in der Theoriegeschichte der europäischen Aufklärung verwurzelt ist, grenzte Kahl seine Auffassungen zunächst gegenüber denen des sogenannten neuen Atheismus, wie er unter anderem von Richard Dawkins vertreten werde, deutlich ab:

„Richard Dawkins’ Buch Der Gotteswahn, das ich hier als Hauptbeispiel des neuen Atheismus heranziehe, … ist ein charakteristisches Dokument intellektuellen Cäsarenwahns. Cäsarenwahn hat – nach dem Historiker Ludwig Quidde, der den Begriff 1894 geprägt hat – zwei sich ergänzende Merkmale: triumphalistische Selbstüberschätzung und abgründige Realitätsblindheit.“

Die Selbstüberschätzung bestehe darin, dass Dawkins seine Kompetenz als Evolutionsbiologe „meint nutzen zu dürfen, um völlig fachfremde Themen der Religionsgeschichte, der Religionsphilosophie, der Religionskritik zu traktieren – mit dem Gestus des auch hier allseits belesenen und kundigen Experten … Dawkins' nassforsche Haltung … verrät auf jeden Schritt und Tritt eine bodenlose Unkenntnis in Sachen Religion und Religionskritik und enthüllt ein fatales Nichtverstehen ihrer geschichtlichen Entwicklungen und ihrer inhaltlichen Komplexität.“

Kahls eigene Position wird deutlich, wenn er gegen den neuen Atheismus schreibt, dass mit den „vulgären Kraftsprüchen“ Dawkins’ und anderer sich der Atheismus unter der Hand in Antitheismus verwandele, der die Religion von oben herab abkanzele. „Erforderlich wäre dagegen, sie gedanklich zu durchdringen, ihren historischen Werdegang und ihre gesellschaftliche Funktion zu erklären und in einen kritischen, auch polemischen Dialog mit ihren Anhängern zu treten. Vergessen, nein: schlechterdings unbekannt ist […] die keineswegs zimperliche, aber doch filigrane Religionskritik der deutschen Aufklärung […]“ (Joachim Kahl: Weder Gotteswahn noch Atheismuswahn. Eine Kritik des „neuen Atheismus“ aus der Sicht des „alten Atheismus“. In: EZW-Texte Nr. 204/2009, S. 5–18, hier 5 f.)

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 17. November 2014 um 11:46 Uhr